850 Jahre Winsen (Luhe)

Leben zwischen Marsch und Geest

 

Winsen ist die „Stadt zwischen Marsch und Heide“. Beide Landschaften, in ihrer Eigenart durchaus gegensätzlich, sind im Wesentlichen in der letzten Eiszeit entstanden. Seitdem hat sie der Mensch weiter aus- und umgestaltet. Schon viele Jahrhunderte hindurch ist die Stadt Winsen für beide Gebiete wirtschaftlicher und verwaltungsmäßiger Bezugspunkt.

Wann Menschen hier erstmals Fuß fassten, ist nicht endgültig zu belegen. Urkundlich nachweisbar wird Winsen erst 1158, als Bischof Hermann von Verden die Einkünfte der Stiftsherren in Bardowick neu regelte.

1293 wurde Winsen bereits als Flecken zu den wichtigen Orten des Fürstentums gezählt., der durch drei  Tore zu betreten war.

Die Bedeutung der Stadt wuchs noch, als 1371 zu Beginn des Lüneburger Erbfolgekrieges die fürstliche Residenz auf dem Kalkberg niedergebrannt wurde und die Obervogtei von dort auf die Winsener Burg verlegt wurde. Allein zur ständigen Residenz der Herzöge wurde Winsen nicht; man verlegte vielmehr den Fürstensitz nach Celle.

Schon 1348 kamen Lüneburger Franziskaner nach Winsen, das Kloster auf der Luheinsel wurde aber wohl erst ab 1477 gebaut. Bereits 1528 mussten sie auf Druck Herzog Ernsts des Bekenners die Stadt wieder verlassen, da sie der vom Herzog betriebenen Reformation Widerstand leisteten. Danach wurde der Komplex vom Herzog eingezogen und als Amtschreiberwohnung genutzt, später von der Justizverwaltung. Das heutige Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert und lässt seine einstige Bedeutung kaum noch erkennen und ist in Privatbesitz.

Die Wirren des Dreißigjährigen Krieges verbreiteten über Winsen Angst, Not und Schrecken. Tilly residierte mit einem großen Tross auf dem Schloss; später zogen die Schweden in die Stadt ein.

Die durch Wall und Graben eingeengte und dicht bebaute Stadt erlebte im 16. Jahrhundert verheerende Brände. 1528 vernichtete ein Feuer bis auf Schloss, Kirche und Kloster fast alle Gebäude. 1585 brach erneut eine Feuersbrunst über die Stadt herein. Und noch ein dritter Brand suchte die Bewohner heim: Am 21. Juni 1627 legten die Dänen Feuer, das Winsen und 25 Orte in der Umgebung vernichtete.

Die kriegerischen Bedrückungen endeten damit jedoch nicht: In der Kindheit des bekannten Johann Peter Eckermanns bedrückte die französische Besatzung die Winsener Bürger.

Seit 1847 besaß Winsen einen Bahnhof an der Strecke von Hannover nach Harburg, später auch nach Hamburg. Eine 1840 gegründete Dampfschifffahrtsgesellschaft, die von Hoopte nach Hamburg führte, war dieser Konkurrenz nicht gewachsen und stellte bald ihre Tätigkeit ein.

Aus der kleinen Ackerbürgerstadt, in der Mitte des 18. Jahrhunderts gut 1000 Einwohner lebten, war um 1900 eine Kreisstadt mit über 4000 Menschen geworden.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erlebte Winsen eine Blütezeit. Die Bevölkerung wuchs, die Stadt begann sich auszudehnen. In der Gründerzeit entstanden zahlreiche Bauten, die das Bild der Stadt prägten.

Der 1. Weltkrieg (1914–1918) und die nachfolgenden Jahre mit der Inflation und der Weltwirtschaftskrise verhinderten die weitere Entwicklung. Die Zeit der Hitler-Diktatur setzte kaum markante Akzente, die Kriegsjahre (1939–1945) schon gar nicht. Hatte man zu Kriegsbeginn etwa 5500 Einwohner gezählt, so war durch Ausgebombte und Vertriebene die Zahl auf mehr als 8000 gestiegen. Mit der Währungsreform begann der Aufschwung, und die Einwohnerzahlen stiegen: 1952 -9094; 1963 - 10135; 1966 - 11289; 1970 -12363.

Durch die Gemeindereform 1972 vergrößerte sich Winsen. Durch Eingemeindung stieg die Zahl der Einwohner auf 22.000. Die Integration von Stadt und Land ist gut gelungen. So trifft man sich auf dem Stadtfest vor Pfingsten, auf dem Scharmbecker Erntefest am ersten September-Wochenende, beim Stöckter Faslam, auf Jahrmärkten und Schützenfesten. Bis heute ist die Bevölkerung auf über 33.000 gewachsen.

INFOS:
  • Im Museum war 2008 eine Sonderausstellung zum Thema: „850 Jahre Winsen – die Geschichte der Luheinsel“ zu sehen
  • Handschriften und Archivalien im Stadtarchiv Winsen /Rathaus (Mo.+ Fr.: 9-12 Uhr)
  • Tourismus-Information im Foyer des Marstalles
  • Museum im Marstall, Winsen (Luhe): Dauerausstellung zur Stadtgeschichte und zur Geschichte der Umgebung ; Führungen zur Stadt- und Schlossgeschichte

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Johann Philip Nicolai – 400. Todestag

 

Einer der größten Schätze der christlichen Kirche sind seine Hymnen, und einer der größten Beiträge zu diesem Schatz ist, das Werk der frühen lutherischen Schriftsteller, beginnend mit Martin Luther. Heute erinnert sich die lutherische Kirchen-Hymne an drei herausragende Autoren aus dem Deutschland des 16. Jahrhunderts.

J. Philip Nicolai, geboren 1556 als Sohn eines lutherischen Pfarrers. Er studierte Theologie an den Universitäten von Erfurt und Wittenberg, 1575-1579, und wurde Pfarrer. Es war die Zeit der religiösen Kriege in Europa und mehrere Male musste er fliehen oder sich verstecken und hielt heimlich in seinem Haus Gottesdienst. Er war ein theologischer Schriftsteller, der  hauptsächlich die lutherische Theologie gegen die kalvinistischen Gegner verteidigte. Er war ein mitreißender Prediger. 1588 wurde er Pfarrer in Altwildungen, 1596 kam er als Pfarrer nach Unna in Westfalen und 1601 wurde er Pastor in Hamburg an der Hauptkirche St. Katharinen. Von hier aus war er auch mehrmals auf dem Winsener Schloss als Gast von Herzogin Dorothea, die seit 1593 ihren Witwensitz hier hatte. Eine seiner Winsener Predigten wurde auf Wunsch der Herzogin gedruckt.

Weltbekannt sind vor allem seine Lieder:  "Wake, awake, for night is flying" (Wachet auf, ruft uns die Stimme). Es verwendet das Bild der Wächter auf einer Stadtmauer (Jesaja 52:8) und das Gleichnis von den Bräuten (Matthäus 25:1-13), und das Lied vom Triumph des Himmels (Offenbarung 19:6-9). Es ist ein beliebter adventlicher Hymnus.

Das zweite Lied war: "How bright appears the morning star" (Wie schön leuchtet der Morgenstern). Es hat sich zu einem beliebten Hochzeitslied entwickelt, wird aber auch gesungen im Advent, zu Weihnachten, zum Dreikönigstag und als allgemeine Hymne des Lobes.

Nicolai starb 26. Oktober 1608 nach einer kurzen (vier Tage) Krankheit.